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   19.01.18 06:51
    Es ist "Das Drama des be






Glashaus

Glashaus


In meinem Haus aus schwarzem Glas,

dort wo ich mein Leben lang saß

und mich und meine Seele vergaß.

Im steten Takt des Sehnsuchtsklang,

wird mir behaglich ängstlich und liebevoll bang.

Dort ist ein Riss entstanden, kaum ein Haar breit.

Ich muss mich regen, muss mich bewegen,

schnell es wird Zeit.

Mein Glashaus zerbricht und es wird Licht.




Das Haus aus schwarzem Glas indem der kleine Reinhard saß und vielleicht heute noch sitzt. Niemand sollte, niemand durfte mich sehen. Nicht mein eigenes Ich, es erträgt die Ablehnungen nicht mehr. Es schmerzt zu sehr verstoßen zu werden und sich verstoßen zu fühlen. Jede Ablehnung ein Schwerthieb das blutende Wunden hinterlässt. Keine Chance auf wohlfühlen. Wie denn auch? Reinhard mag nicht Reinhard sein. Reinhard muss erst Reinhard mögen können um Reinhard etwas Gutes zu tun. Das wiederum ist bis heute noch wahnsinnig schwer. Nie hat Reinhard etwas genießen können. Noch heute fällt es mir schwer etwas anzunehmen was nicht bezahlt oder positiv vergeltet werden kann. Nur wie findet man sich im laufe des Lebens zurecht? Ob in der Schule, ob später in der Lehre, im Beruf oder nur allein im Kreis der Familie, was kann ich tun um den anderen zu gefallen?

Ein ganzes Leben damit verbracht zu genügen. Mir selber hatte ich nie genügen können. Gekannt habe ich mein „Ich“ nicht. Erst jetzt und dank vieler therapeutischen Bemühungen fange ich langsam an mich mit mir auszusöhnen. Ganze 48 Jahre lief ich vor mir weg, ich lief aus Angst auf etwas zu stoßen das mir nicht behagt. Hatte ich doch gelernt das Reinhard böse ist. Nun habe ich mir die Zeit genommen hier und da mich dieser Angst zu stellen und habe mich ein wenig kennen gelernt. Kann es immer noch nicht begreifen das ich Jahrzehnte verbrachte mich zu verhindern. In meinem Kopf sehe ich mich noch in dem Kleinkindalter. Trauriger Blick, ängstliche Augen die aus der Dunkelheit tränenbenetzt hervor schauen. Langsam, ganz langsam entsteht das Gefühl des Mögens in mir. Reinhard ist es wert das ich Ihn mag. Wovor hatte ich all die Jahre Angst? Wie hat es Reinhard geschafft die ganze Zeit über im Dunkeln zu verbringen und doch zu überleben? Gab es da doch eine starke Pflanze der Hoffnung in ihm, die es geschafft hat diese Zeit ohne Wasser zu überleben. Verkümmert ja, aber nicht gestorben. Ob es sich lohnt diese Pflanze zu pflegen oder wäre es besser alles zu vergessen und sie gleich zu entsorgen? Nein, dafür mag ich Reinhard zu sehr. Ich will um Ihn kämpfen. Habe mein ganzes Leben gekämpft, alleine, ohne jemand der meine Wunden pflegte und mir Mut zusprach. Es gab einen Freund der mir immer zuhörte. Er war Tag und Nacht für mich da. Es war kein Vorzeigefreund doch halt der einzige dem ich mich anvertrauen konnte. Viele warnten mich davor mit ihm Umgang zu pflegen. Besonders „Mama“ war sehr engagiert mich von mir fern zu halten.

Reinhard ist ganz böse“!

Immer und immer wieder hörte ich diesen Satz und immer mehr schenkte ich diesem Satz Glauben. Was soll ich denn mit Reinhard Kontakt pflegen wenn er doch eingeimpft derart böse war?

Was dieser Satz in mir zerstörte wird mir erst jetzt immer klarer. Dieser emotionaler Totalschaden lässt mich vor einem gigantischen Scherbenhaufen stehen. In vielen Teilen meines Lebens bezahlte ich dafür die Rechnung mit enorm vielen Tränen und Unverständnis. Ich verstand es nicht was um mich herum geschah. Kindheit verloren, Jugend verloren, Ehe zerstört, Beruf verloren, zweite Ehe gescheitert und, und, und.

Bruchstückhaft erscheint mir manchmal meine Kindheit. Oft sehe ich mich noch im Keller spielend vor einem Eimer Sand sitzend während mein liebstes Stofftier die „Susi“ in meinem Arm lag.

Susi“ war keine Anlehnung an „Susanne“ die meine Mutter so gerne gehabt hätte. Susi war der Name eines Haustiers den die Nachbarn hielten. Es war ein Cockerspaniel, der unheimlich süß nach Leckerchen betteln konnte. Auf den Hinterbeinen sitzend und mit den Vorderpfoten bettelnd vor einem Stand. Mein Stofftier hatte eine ähnliche Fellfarbe und ich nannte wahrscheinlich deshalb mein Stofftier „Susi“. Meißt backte ich aus dem Sand mit meinen Förmchen Kuchen. Mutter backte Samstags auch immer Kuchen. Genau erinnere ich mich immer an einen gedeckten Apfelkuchen mit halben in Fächern geschnittenen Äpfel, den es dann Sonntags immer gab. Wahnsinnig lecker, weshalb ich ständig in Vorfreude auf diesen Kuchen stand. Ich weiß nicht wie viel Stunden ich neben diesem Eimer verbracht habe, während meine Mutter an einer großen Nähmaschine die Fausthandschuhe nähte. Besonders interessierte mich die Maschine an denen die auf links genähten Handschuhe auf rechts gedreht wurden. Immer zunächst der Daumen und dann den Rest des Handschuhes. In Paaren gebündelt wurden diese dann verpackt. Massenweise wurden im Keller genäht. Der angenehme Duft des Leders, vorgestanzt und gestapelt, bereit zur Verarbeitung durchdrang den Keller. Gerne roch ich diesen Duft der auch in mir mit Bildern abgespeichert wurde. Vieles wurde einfach abgespeichert und als „normal“ gewertet. Es war normal für mich in dem Keller vor dem Eimer gefüllt mit Sand zu sitzen. Es war normal, das ich Kuscheleinheiten mir durch „Susi“ einholte. Normal wurde es auch für mich, dass ich böse war. Traurig verkroch ich mich in meinem inneren Raum. Traurig erinnere ich mich an meinem Kinderbett, dass im Schlafzimmer meiner Eltern stand. Traurig deshalb, weil ich dort immer weinend auf Mama wartete. Dunkelheit um mich herum und nur ein kleiner Schimmer Licht unter der Türe, dass ich gebannt fixierte. Angst vor dem alleine sein. Heute bin ich noch ungern alleine und mache grundsätzlich das Radio an um zumindest Stimmen zu hören. Das konnte ich damals nicht. Es gab keine Geräusche die mir Lebendigkeit vermittelten. Meist konzentrierte ich mich auf den Wecker meiner Eltern, der jede Sekunde tackerte. Sekunde um Sekunde schlug es leise und änderte kaum hörbar auch seinen Ton. Wenn der Sekundenzeiger oben war und es bergab ging tönte es heller als wenn der Sekundenzeiger von unten herauf den schweren Weg zur vollen Minute antrat. Wann kommt Mama und holt mich aus meiner Dunkelheit. Oft hatte ich Angst in dem Schlafzimmer zu weilen. In der Ecke hing der Morgenmantel meines Opas. Genau an der Seite an dem meine Mutter schlief. Es war der Morgenmantel Ihres Vaters. Opa machte sich immer ein Spaß daraus und Enkelkinder auf seinem Schoss fest zu halten um seinen kratzigen Bart an unseren Wangen zu reiben. Es tat weh, doch niemand sagte etwas. Mama lachte und fand es lustig. Erst als ich weinend auf dem Schoss saß erlöste mich meine Oma. Opa ist nicht in guter Erinnerung. Opa war nun tot, er starb an einer ganz schweren Krankheit. Mehr wusste ich nicht. Opas Morgenmantel hing in dem dunklen Raum und obwohl nicht sichtbar spürte ich die Anwesenheit des Morgenmantels. Ich hatte Angst, Angst das Opa nun kommt und mir weh tut. Ich will nicht das Opa mir weh tut. Nur will ich auch nicht weinen, denn dann wird Mama böse sein. Kind soll schlafen, doch Kind schlief nicht. Kind weinte stille Tränen- Innerlich schrie meine Seele nach Mutter doch Mutter gab es nicht. Mutter war ein Traumbild das ich hinterher jagte. Wenn Mama dann hoch kam um mich aus dem Zimmer zu befreien stand ich oft am Gitter des Bettchens und war erst froh, als ich hochgehoben wurde. Es kam aber auch vor, das Reinhard böse war weil er weinte, dann musste Reinhard sich wieder hinlegen.

Laufen lernte ich bei meiner Oma. Sie war eine ganz liebe Frau und die Mutter meiner Mutter. Erinnern kann ich mich noch daran, das Sie öfters Kaffeebohnen kaute die Sie aus Ihrer Kittelschürze holte. Die Kittelschürze war eh etwas besonderes. Sie schien für mich magisch zu sein, denn Oma hatte immer alles parat. Zuckerstückchen, Tabakwaren, Taschentücher und eben diese Kaffeebohnen waren immer dabei. Oma liebte Brote, die Sie mit Butter bestrich und Salz drauf streute. Wir Enkelkinder bekamen dann selbiges jedoch mit Zucker bestreut. Oma konnte wahnsinnig gut kochen und bereitete immer alles frisch. Ein Schrebergarten am anderen Ende der Stadt gab viel her. Jedoch war ich nur ein oder zwei mal in diesen Garten. Stachelbeeren, Johannisbeeren, Kohlrabi, Kappes wie Sie es nannte und Rotkohl, das ich für das göttlichste Gemüse hielt. Diesen Rotkohl durch Oma zubereitet konnte die Sinne zum Fliegen animieren. Mit Boskopäpfel und Lorbeerblätter zubereitet ein echter Genuss. Oma konnte eben an Ihrem Herd zaubern.

Dort lernte ich auch das Laufen. Oma hielt mich immer an der Hand und Schritt für Schritt ging es vorwärts. Meine Mutter jedoch war zu diesem Zeitpunkt weg. Man erklärte mir das Sie schwer krank sei und in einem Krankenhaus liegen würde. Es machte mich sehr traurig und mir kamen oft die Tränen. Besonders oft weinte ich als im Radio „Heintje“ sang. „Mama, Du musst doch nicht um Deinen Jungen weinen“. Ich sang das Lied immer mit. Der Text war allerdings für mich etwas zu schwer sodass ich etwas abkürzte. „Mama, musst nicht weinen Deinen Jungen“. Ich sang und weinte. Meine Tante und Oma trösteten mich dann immer und sagten das Mama bald wiederkommen wird. Mama kommt bald wieder. Mir schien diese Zeit endlos lang. Mama fehlt. Mama fehlte eigentlich immer in meinem Leben. Wie stopfe ich das Loch in meinem Leben.

Ein Loch ist im Eimer, Karl Otto, Karl Otto...“. Mein Opa, der mit dem hässlichen Bart der so kratzte hieß Karl. Verfolgt man nun dieses Lied weiter, so sagt der Text: „Dann stopf es oh Henry, oh Henry, oh Henry...“. Gerne würde ich dafür alles geben dieses Loch zu stopfen. „Womit denn Karl Otto, Karl Otto, Karl Otto...?“. Womit kann ich mein tiefes Loch stopfen? Wie kann ich meine fehlende Mama ersetzen? Wie bekomme ich Mama doch noch dazu mich zu mögen? Mama liebt Susanne, Mama mag den bösen Reinhard nicht. Das lernte ich und gab mein bestes um mich an den Brotkrumen die abfielen zu sättigen. Es reichte nicht, es reichte nie um satt zu werden. Ständig seelischen Hunger zu leiden. Wer nicht ausreichend Nahrung zu sich nimmt, der darf sich nicht wundern wenn der Körper auf Notversorgung herunterfährt und ihm kalt wird. Mir ist kalt. Schon immer fror ich durch fehlende Nähe und Wärme. Wer im Winter einen langen Spaziergang macht und durchgefroren in eine warme Stube kommt braucht eine Zeit um wieder eine wohlige Wärme zu spüren. Jeder wird sich so nah wie möglich an die Wärmequelle stellen und versuchen soviel wie möglich davon aufzunehmen. Man kann davon nie genug bekommen. Ich kann auch nie genug bekommen. Sobald ich in die Nähe einer Wärmequelle komme, desto einnehmender werde ich. Wärme soll dann mir gehören. Ist das auch ein Grund weshalb ich in vielen Beziehungen so klammerte? Um die Nähe und Wärme zu bekommen engagierte ich mich sehr stark und oftmals erdrückte ich meine Partnerinnen mit meiner Liebe. Kein eigener Freiraum und keine Möglichkeit frei zu atmen. Vergleichbar mit einem ertrinkenden der sich an seinem Retter festkrallt und den Retter selbst in Gefahr bringt. Panik ist eine Angst die ins unermessliche reicht. Übung macht den Meister. Das ständige wiederholen einer Übung lässt das gelernte in Fleisch und Blut übergehen. Wie im Kampfsport müssen diese Handlungen ins Unterbewusstsein eingehen sodass im Falle des Falles gehandelt werden kann ohne lange nachzudenken. So lernte ich meinen „Kampfsport“ bis zur Perfektion und mein Handeln wurde unbewusst gesteuert.

Panik hatte ich gelernt, Panik nicht zu genügen.

19.1.18 06:13
 


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